Wie ein paar „wilde Segler” den Verein gegründet haben
Kaum zu glauben - der Nonnenhorner Seglerverein wird in diesem Jahr ein halbes Jahrhundert alt. Zeit, zurückzublicken auf das Vereinsleben, den Hafenausbau, die Jugendarbeit, Regatten und mehr. Gefeiert wird das Jubiläum öffentlich mit einem “Hafenglühen”, also stimmungsvoll beleuchteten Stegen und Booten, am 18. Juli.
Wie alles angefangen hat? Segelschiffe hat es auf dem Bodensee fast schon immer gegeben: Lastensegler beispielsweise, “Lädinen”, transportierten Baumaterial aus Rorschacher Steinbrüchen nach Nonnenhorn zum Kiesstrand des Hörnle, dem “Stedi”. Vor gut 100 Jahren kamen erste Segelyachten an den See, die Boote gut betuchter Herren-Segler lagen in den Häfen von Lindau, Friedrichshafen und Konstanz. Aber es gab auch segelbegeisterte Jugendliche, die sich mit teilweise abenteuerlichen Eigenkonstruktionen auf den See wagten. “Wilde Segler” nannte man sie. “Wir haben ein schmales Ruderboot genommen und ein Schwert eingebaut”, erinnert sich Fritz Sauter heute noch. “Die Schwester musste uns aus Leintüchern Segel nähen. Mit dem Boot sind wir zwei bis drei Jahre gesegelt. Das war etwa 1946.”

Damals gab es in Nonnenhorn nur eine hölzerne Landungsbrücke für die Dampfschiffe der Weißen Flotte. Der Hafen wurde erst ab 1964 von der Gemeinde gebaut, die Liegeplätze zumeist an Sommerfrischler unter anderem aus Bottrop, Blaubeuren und Göppingen verpachtet, vorwiegend für Motorboote. Das alles wollten die wenigen Segler von Nonnenhorn ändern, unterstützt von einigen segelnden Neubürgern. Ein Verein für Segelsport und Jugendförderung in Nonnenhorn sollte her, auch um das weitverbreitete Vorurteil, Segler seien nutzlose Müßiggänger, zu korrigieren.
31 Aufnahmeanträge schon bei der Gründung
Der Gründungsausschuss für den neuen Seglerverein bestand aus acht Männern: je ein Bäckermeister, Banker, Kaufmann, Landwirt, Pensionär, Richter, Segellehrer und Zahnarzt.
Angekündigt durch eine von Jugendlichen verteilte Postwurfsendung mit der Einladung an “alle Interessenten des Segelsports aus Nonnenhorn und der näheren Umgebung”, war es ein Mittwochabend vor 50 Jahren, der 28. Januar 1976, als man sich im Gasthaus “Kapelle” zur Gründungsversammlung zusammenfand. Es war die kälteste Nacht des Winters mit -14 Grad. Die Anwesenheitsliste von damals weist 40 Namen samt Adressen aus, darunter 4 Frauen. 31 wurden spontan Mitglieder.
Kleines Kuriosum am Rande: Die Hausnummern damals lauteten Seestraße 40½, Uferstraße 64⅕ oder 66⅔.
In der Gründungsversammlung wurden gleich sechs Entwürfe für einen Vereinsstander vorgelegt. Der Künstler Lui Schaugg hatte das Weiß-Blau und die Rauten der bayerischen Flagge kombiniert mit den Wellen des Bodensees und dem Wappen von Nonnenhorn. Das vorgesehene Kürzel für den Vereinsnamen, NSV, erwies sich hingegen als unglücklich. Nicht nur, dass NSV einst für “National-Sozialistische Volksfürsorge” gestanden hatte – es gab auch bereits einen Seglerverein NSV, den Neustädter Segler-Verein an der Ostsee. So wurde in Nonnenhorn das kleine “h” eingefügt.
Der junge Nonnenhorner Seglerverein fand rasch und unerwartet großes Interesse. Bereits im November 1976 hatte er 141 Mitglieder, darunter 39 Jugendliche. Die Vereinsmitglieder brachten es erstaunlicherweise auf 71 Segel- und acht Motorboote.
Vereinsregatta mit Mannschaften, die 200 Jahre alt sein dürfen
Schon im ersten Jahr segelte man gemeinsam zum Sommerfest nach Hard und zum Seenachtfest nach Konstanz. Es gab eine erste Bootstaufe und Vereinsregatten. So ist im Archiv zu lesen, man habe im August 1976 einen Wettsegel-Tag veranstaltet: Bei der Jugend-Regatta lag das Höchstalter jeder Crew bei 30 Jahren. Die anschließende Damen-Regatta startete ohne Altersvorgabe (!), während bei der Alt-Herren-Regatta am Nachmittag die Crew eines Bootes nicht älter als 100 Jahre, bei Kielbooten 200 Jahre sein durfte.

Und von wegen Müßiggang: Im ersten Jahr des Bestehens übernahm der NhSV die Jollenliegeplätze am Nonnenstein, Vereinsmitglieder richteten eine Schräge zum Slippen ein und befestigten das Ufer. Ein Jahr später pachtete der Seglerverein den Hafen – “das Sorgenkind der Gemeinde, heute das unsrige”, wie es zum 25-jährigen Jubiläum hieß.
Mehr zum “Sorgenkind Hafen” und dem mühsamen Ausbau lesen Sie im Dorfspiegel Februar.
Nonnenhorner Seglerverein
Fotos: Archiv der Gemeinde Nonnenhorn/Familie Schlichtenhorst